Huhn oder Ei – hier ist die Antwort auf die Frage aller Fragen

Bestimmt haben Sie sich auch schon Gedanken darüber gemacht: Was kam zuerst, das Huhn oder das Ei? Und bestimmt sind Sie daran gescheitert. Das muss nicht sein. Die Kolumne «Wild und wundersam».

von Atlant Bieri

 

Was kam zuerst, das Huhn oder das Ei? Das war die klassische Frage jeder analogen Kindheit in den 1980er Jahren – konzipiert für das Gehirntraining an verregneten Sonntagnachmittagen.

Ich war lange davon überzeugt, dass es das Huhn sein müsse. Na einfach, weil es doch einmal Hühner gegeben haben muss, die sich ohne Eiablage vermehrten. Fall gelöst. Leider lag ich zusammen mit allen anderen der Huhnfraktion komplett falsch, wie uns 2024 eine Studie der Universität Genf belehrte.

 

Doch bevor wir zur Studie kommen, hier eine semantisch-evolutionäre Betrachtung der Sachlage. Die Frage «Huhn oder Ei?» ist sowohl sprachlich als auch biologisch unscharf. Denn was ist überhaupt ein Huhn, und was ist ein Ei? Mit der Antwort dringt man automatisch zum Kern der Sache vor.

 

Stellen wir uns gemeinsam also ein Huhn vor und lassen die Zeit im Schnelldurchlauf rückwärts gehen. Der Anblick ist ungewohnt, denn plötzlich verschwinden haufenweise Eier im Popo des Huhns, bis das Huhn selbst zu schrumpfen beginnt, ein Küken wird und sich schliesslich mit einer Eischale einkleidet und selber im Popo seiner Mutter verschwindet.

 

Generation für Generation reisen wir rückwärts durch die Zeit. Die Jahrtausende und Jahrmillionen streichen an uns vorbei. Langsam verändert das Huhn sein Aussehen. Sein Federkleid wird lückiger, sein Schnabel verformt sich zu einer Schnauze, in deren Innerem scharfe Zähne aufblitzen. Schliesslich steht ein fleischfressender Dinosaurier vor uns. Die Frage bleibt: Dino oder Ei?

 

Wir reisen noch ein paar hundert Millionen Jahre zurück. Die Tiere leben nun zwischen Wasser und Land. Sie gleichen den heutigen Amphibien. Ihre Eier besitzen keine harte Schale mehr. Stattdessen gleichen sie einer gallertartigen Masse. Die Frage ist immer noch nicht geklärt: Urmolch oder Wackelpudding?

 

Wir sind nun über eine Milliarde Jahre in die Vergangenheit gereist. Die Tiere sind verschwunden. Gerade entwickeln sich die ersten vielzelligen Organismen. Ihre Eier bestehen aus einer befruchteten Zelle, die sich zu teilen beginnt. Genau wie beim Huhn. Die Frage lautet nun: Zellhaufen oder Zelle?

 

Noch etwas weiter zurück erreichen wir eine Zeit, in der es nur Einzeller gab. Und hier ist er endlich: Peter. Er ist der allererste Einzeller, der sich zu einem mehrzelligen Lebewesen entwickelte. Wer war zuerst da? Peter, die Zelle, oder Peter, der Zellhaufen? Die Antwort ist klar: Peter, die Zelle!

 

Genau diese Sichtweise haben die Fachleute der Universität Genf mit ihrer Studie bestätigt. Sie analysierten das Verhalten eines erst vor ein paar Jahren entdeckten Einzellers, der die Fähigkeit hat, sich bei Bedarf zu mehrzelligen Klumpen zu entwickeln. Das ist einzigartig und zeigt, wie der Übergang von Einzellern zu Mehrzellern vonstattenging: Aus einer Zelle – dem Ei – wird ein Zellhaufen – das Huhn.

 

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